BadmintonClub

Der Meister hat mehrere Väter des Erfolges

Der Meister hat mehrere Väter des Erfolgs

Der Bericht von Rudi Dümpert – veröffentlicht in der Mainpost am23. März 2020

Wie aus einem Exodus der zwölf Besten wieder eine Meistermannschaft entstand und welche Rolle das Gymnasium spielt

Bad Königshofen Der Badmintonverband hat, seiner Bedeutung im nationalen Ranking der beliebtesten Sportarten entsprechend, erst im Nachgang zu Fußball, Handball, Tischtennis, Kegeln etc. seine Konsequenzen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bekannt gegeben. Eine davon: Zwei Spieltage vor dem geplanten Saisonende wird der Ligen-Spielbetrieb eingestellt und die aktuelle Tabelle zur Meisterschafts- und Abstiegsentscheidung herangezogen. Das bedeutet für den BC Bad Königshofen, der als Vorjahres-BOL-Zweiter und über eine Dreier-Relegation als Zweiter in die Bayernliga Nord aufstieg, Meister der Saison 2019/20 geworden ist. Noch knapper – und wenn man so will glücklicher – hätte diese Entscheidung nach 14 von 16 Spieltagen nicht ausfallen können.

Zwischen den Meister und den Zweiten DJK Schwabach passt nämlich kein Federball. Beide liegen Kopf an Kopf mit je 23:5 Punkten (zehn Siegen, drei Unentschieden, einer Niederlage) und 74:38 Spielen (Einzel, Doppel, Mixed). Nur unter Einbeziehung des Quotienten der gewonnenen und verlorenen Sätze hat der BC Bad Königshofen mit 164:97 gegenüber dem der Schwabacher, 156:96, die Nasenspitze vorn. Berücksichtigt man zusätzlich, dass beide direkten Begegnungen mit 4:4 keinen Sieger fanden, wäre eine andere Entscheidung ebenfalls als sportlich und fair hinzunehmen gewesen: Wenn man, in Anbetracht der nie da gewesenen aktuellen Ausnahme-Situation, nicht einen, sondern zwei Meister ausgerufen hätte. „So wollte ich eigentlich nicht Meister werden“, bekannte selbst der BC-Spielertrainer Frank Helmerich, für den es am Sonntag um einen anderen Meister ging: Er war einer von zwei Bürgermeister-Kandidaten für Bad Königshofen und die sieben Stadtteile.

Allzu bescheiden sollte man aber auch nicht sein. Verdient ist der Titel auf jeden Fall, wenn man ein bisschen in der näheren Geschichte des BC blättert. Wie kam es zu dieser positiven Entwicklung beim Verein im Schatten des Tischtennis-Bundesligisten TSV? Wie so oft gibt es auch hier mehrere Väter des Erfolgs. Der Badminton-Club hatte nämlich bereits Ende des letzten Jahrtausends Samen gestreut und Wurzeln geschlagen. Die Blüte war die Meisterschaft in der Regionalliga Süd-Südost 2010/11. Am Aufstieg in die 2. Bundesliga scheiterte man in den zwei Entscheidungsspielen gegen den TV 1862 Dillingen (Hinspiel 4:4/Rückspiel 3:5) denkbar knapp. Daraufhin fiel die erste Mannschaft komplett auseinander. Die vier auswärtigen SpielerInnen wanderten ab, die zwei Eigengewächse Christopher und Sebastian Ames stiegen durch einen Vereinswechsel zur SG 1862 Anspach dennoch in die 2. Bundesliga auf und gaben dort sogar ein Gastspiel in der 1. Bundesliga.

In der darauf folgenden rückte die zweite Mannschaft zur ersten auf und erspielte einen Spitzenplatz in der Bayernliga. Doch erneut gab es ein Waterloo für den BC: Auch diese Mannschaft, durch die Bank aus Einheimischen bestehend, löste sich auf. Fabian Hippold schloss sich dem TV Marktheidenfeld an, spielt dort in der 2. Bundesliga. Die anderen fünf SpielerInnen verschlug es aus Studien- und beruflichen Gründen in andere Städte. Auch Simon Prell spielte höherklassig im Raum Köln. Seine Schwester Sara legte das Racket aus der Hand. Ein Exodus der zwölf besten Spieler des Vereins innerhalb von zwölf Monaten. Wie konnte, wie würde das weitergehen mit dem so gebeutelten Verein?

Und hier beginnt die Reihe der Väter des Erfolgs. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist die Kooperation des BC in der Nachwuchsarbeit mit dem Gymnasium Bad Königshofen. Besonders begünstigt durch zwei Tatsachen: Mehrere dort beschäftigte Lehrer wie die damalige und heutige 1. Vorsitzende Anne Neumann, Hubert Kornbrust, Kalle Schmähling, Reinhold Prell, Günter Fischer oder der heutige Spielertrainer Frank Helmerich sind Badminton-affin, weil selber aktiv oder als Eltern Badminton spielender Kinder. Und der Schulleiter, Oberstudiendirektor Wolfgang Klose, ist total aufgeschlossen für den Sport grundsätzlich. So war seine Schule auch eine der ersten, an denen eine Sportklasse eingerichtet wurde. Nicht zu vergessen alle weiteren Eltern von Kindern, die den Neuaufbau von nahe Null unterstützten, ihre Kinder zum Mini-Training brachten und Opfer jeder Art brachten vom Kuchenbacken bis zum Fahrdienst zu Liga- und Turnierspielen.

Der erste Spieler, der bald besonders auf sich aufmerksam machte, war Leander Adam. Er gewann Turniere und Meisterschaften auf immer höherer Ebene und ging mit 13 Jahren den Weg in ein Sportgymnasium in Jena, danach ins DBV-Bundesleistungszentrum Mühlheim/Ruhr. Er spielt inzwischen Turniere und Meisterschaften auf internationaler Ebene. Weitere SpielerInnen wie z.B. die Geschwister Irene und Thomas Neumann, Josepha Hart, Anton Sarwanidi/verh. Ringel, die Brüder Marius und Nils Fischer oder Lena Bregulla, die vor Kurzem ihre Entscheidung traf, verzichteten an einem gewissen Punkt auf den weiteren sportlichen Aufstieg, konzentrierten sich stattdessen auf Schule, Studium und Beruf.

Was mehrere von ihnen vereint: Sie haben inzwischen wieder den Weg in die Heimat, zu den sportlichen Wurzeln gefunden. Weil der Verband dem Club weitestgehend entgegenkommt und zwei Spieltage auf ein Wochenende legt, nehmen sie weite Fahrstrecken z.B. aus Köln (Simon Prell), Karlsruhe (Josepha Hart), Stuttgart (Thomas Neumann), München (Irene Neumann) oder aus Bamberg (Anton Ringel) in Kauf. Nicht immer, aber so abgesprochen, dass zusammen mit den Königshöfern Frank Helmerich, Lena Bregulla, Leonhard Hüllmandel, Tabea Bauer und dem Obereßfelder Andy Ortlauf oder auch den Studenten Julian Holzheimer, Nils und Marius Fischer eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammengestellt werden kann. Viele weitere Nachwuchs-Talente zeigen eine gute Entwicklung bzw. stehen schon Gewehr bei Fuß.

Hier noch ein paar Bilder unserer Ersten.

Manchmal traten wir so an und manchmal auch anders. Hier fehlen Frank Helmerich, Jospha Hart, Irene Neumann. Ein Foto nach dem Sieg gegen den TSV Lauf.

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